Hohlziegeleindeckung mit Strohdocken

28.11.2012 12:03 von Bernd Kibies

Hohlziegeleindeckung mit Strohdocken

Die Strohdocken (auch als Strohpuppen, Strohwisch bekannt) wurden früher als zusätzliche Unterlage bei einem Hohlziegeldach eingesetzt. Diese bestehen aus kleinen Strohbüscheln aus Roggenstroh und dienen zur Sicherung gegen Flugschnee und Schlagregen. Die Dicke und Länge der Strohdocken wird von den Abmessungen des Hohlziegels bestimmt. Es gibt die kürzere Kopfdocke für den Dachfirst und für die Dachfläche längere Docken. Zur besseren Haltbarkeit wurden diese früher auch mit Lehm getränkt.

Die Herstellung der Strohdocken ist hier anschaulich zu sehen:
http://strohdocken.com/fertigun.htm

Das überstehende Stroh verrottet mit der Zeit, so daß es später mit dem Dachziegel abschließt. Es bietet dadurch eine ausreichende Regendichtigkeit. Man hat sich immer dem bedient, was regional zur Verfügung stand. Falzziegel sind erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts bekannt, wirklich durchgesetzt haben sich diese in unseren Breiten aber erst mit dem Muldenfalzziegel Z1, der am 7. Mai 1881 patentiert wurde. Unterspannbahnen gibt es noch nicht so lange. Natürlich kann Stroh leichter brennen, die Brandgefahr besteht aber auch bei strohgedeckten Dächern aus Reet. Die Brandgefahr ist besonders in den Sommermonaten höher, da das Stroh völlig austrocknen kann.
Schon früh wurde diese Dacheindeckung durch Bezirks-Bauordnungen verboten oder stark eingeschränkt. Diese Eindeckung ist nur für nicht ausgebaute Dachgeschoße geeignet, heute nur noch im Denkmalbereich zulässig.

Im norddeutschen Raum war die Dachdeckung mit Hohlpfannen auf Strohdocken lange sehr verbreitet. Ich habe diese Eindeckung aber auch in Westfalen und im Rheinland gesehen. Diese ist eher im ländlichen Raum anzutreffen. Hohlziegeleindeckungen werden heute überwiegend nur noch in der Denkmalpflege ausgeführt. Diese Eindeckungsart wird aber immer mehr vom Hohlfalzziegel abgelöst.
Für die Verlegung der Hohlpfannen sind im Wesentlichen drei verschiedene Varianten bekannt, mit denen eine Regendichtigkeit hergestellt wurde: Verlegen in Mörtel (Querschlag) und Innenverstrich, Trocken mit Innenverstrich oder, wie beschrieben, Einlegen von Strohdocken unter und zwischen die Ziegel.

Auch sehr interessant und übersichtlich gestaltet:
Archiv historische Dachziegel
http://www.dachziegelarchiv.de/index.html

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